Tooltipp: 750 Words

Writers write.

So schlicht kann man die Arbeit eines Autoren zusammenfassen. Und wer nicht schreibt, ist kein Autor.

Was so einfach und so einleuchtend klingt, sorgt bei den meisten Autoren erst mal für versteinerte Gesichter. Denn woraus das Autorenleben oft besteht, sind Schreibvermeidungshandlungen.

So richtig flutscht das Schreiben nur, wenn man gerade von der Muse geküsst wird.  Aber Musen sind ziemlich zickige Geschöpfe und sie tauchen nicht dann auf, wann man sie braucht und auch nicht so oft wie Autor das gerne hätte. Eine der ersten Regeln des Autorenlebens ist daher: Halt die Klappe und schreib. Warte nicht auf die Muse sondern schreib so lange bis sich das unzuverlässige Ding endlich bei dir einfindet.

Das ist so hart wie es klingt und literweise Blut, Schweiß und Tränen sind notwendig um von dem Punkt „Ich habe keine Ahnung was ich hier eigentlich tue“ in die „the Zone“ zu kommen. Also dem Autorenzustand, in dem die Ideen nur so fließen, man sich im intimen Zwiegespräch mit den Charakteren befindet und der Autor dieses irre Grinsen des absoluten Glücks einfach nicht mehr aus dem Gesicht bekommt. Nur vorher stehen eben Blut, Schweiß und Tränen und „the Zone“ ist meist nur eine ferne Verheißung.

Zu oft setzt man sich zwar jeden Morgen auf den Autorenhintern und steht abends mit nur zwei oder drei Sätzen mehr wieder auf.

Ja, das ist so frustrierend wie es klingt.

Genau hier setzt die Webseite 750 Words an.

Erdacht wurde sie von dem Twitter-Mitarbeiter Buster Benson der ganz offensichtlich Statistiken mag und der die Vorliebe vieler Autoren für Schreibstatistiken gnadenlos ausnutzt.

750 Words bietet erst einmal eine sehr aufgeräumte Schreiboberfläche, auf der nichts wirklich ablenkt. Alle paar Sekunden wird der Text im Hintergrund gespeichert und ist damit auch bei einem Browserabsturz nicht verloren. Mit Ctrl+S kann der Schreiber jederzeit zwischendrin die Speicherung selbst auslösen.

So weit, so unspektakulär.

Was 750 Words besonders macht, ist das Schreibziel. Wie der Name sagt, motiviert es alle Nutzer der Plattform mindestens 750 Worte am Tag zu schreiben. Um das zu erreichen, setzt die Plattform ein paar Methoden aus dem Bereich der Gamification ein. So erhält jeder Autor, der an einem Tag geschrieben hat einen Punkt. Hat er das gesetzte Ziel von 750 Worten erreicht, erhält er zwei Punkte. Für bestimmte Erfolge gibt es „Badges“ wie man sie auch von Foursquare kennt. Für den ersten Tag an dem er volle 750 Worte erreicht, enthält der Autor eine Ei-Badge. Für drei Tage mit 750 Worten hintereinander ist es schon eine Truthahn-Badge. Für „The Space Bird“ muß man 500 Tage in Reihe 750 Worte am Tag schreiben. 750 Worte machen etwa 3 Schreibmaschinenseiten aus. Wer das Tempo 500 Tage durchhält, hat Text von der Menge einer Fantasy Trilogie geschrieben. Badges gibt es auch für besonders schnelle Autoren, oder Nachtschreiber.

Wer noch mehr Motivation benötigt, für den gibt es monatliche Challenges. Wer daran teil nimmt und zum Beispiel im Mai nicht wirklich jeden Tag auf 750 Worte kommt, der landet auf der „Wall of Shame“ und zwar so lange, bis er dann irgendwann auch mal eine Monats-Challenge gewinnt. Dann darf er sich darüber freuen, dass sein Name einen Monat lang auf der „Wall of Awesomeness“ zu sehen ist.

Wer sich aber nicht so sehr von Strafen oder Belohnungen angezogen fühlt, dem stellt 750 Words eine linguistische Auswertung seiner Texte bereit, beziehungsweise einen Einblick in das eigene Unterbewusstsein{{1}}. Die Möglichkeit zusätzlich Metadaten einzugeben macht 750 Words auch noch zu einem Autorentagebuch auf Speed.

Wer 750 Words nun spannend findet, sollte sich schnell entscheiden seinen Account zu eröffnen. Denn für alle Neu-Nutzer ab dem 1. Mai wird der Dienst kostenpflichtig um das Fortbestehen des Projekts zu sichern. Bereits bestehende Accounts bleiben kostenfrei, aber die Nutzer werden gebeten für den Unterhalt der Seite zu spenden. Dafür gibt es zur Belohnung eine „Patron“-Badge.

[[1]] Ob das auch bei nicht-englischen Texten funktioniert, habe ich allerdings noch nicht ausprobiert. [[1]]

 

This article was written by Mela Eckenfels

Mela Eckenfels schreibt seit 1997 das Internet voll, Sach- und Fachtexte für Geld und Spaß und Fantasy, Science Fiction sowie historische Literatur aus Passion. Nebenbei studiert sie Geschichte und Creative Writing an der Open University.

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