Lese-Diät: Mackintosh

[box style=“warning“]Spoiler möglich[/box]

Als erste Kurzgeschichte meiner Lesediät, habe ich „Mackintosh“ von W. Somerset Maugham gewählt.

Protagonist der Geschichte ist ein Schotte mittleren Alters namens Mackintosh. Eine schwere Lungenentzündung und die Gefahr sich mit der Tuberkulose zu infizieren, zwang ihn seine Heimat zu verlassen und seine frühere Arbeitsstelle gegen eine Position als Assistent eines Inselvorstehers einzutauschen. Sein neuer Vorgesetzter ist ein alternder Ire namens Walker.

Maugham charakterisiert Mackintosh als schlaksigen Langweiler und Bücherwurm, der Ordnung und Regeln liebt. Seine neue Umgebung mit ihren Bewohnern und das Klima hasst er dagegen.

Walker dagegen, beschreibt er einerseits als Mackintoshs exakten Gegensatz, andererseits als sehr ambivalenter Charakter. Äusserlich stellt er ihn als hässlichen, fetten, despotischen alten Mann dar, der es liebt andere mit verletzenden Witzen zu überziehen. Seine Herrschaft über die Einheimischen ist geprägt von Arroganz, zeugt aber dennoch von Liebe. Oft wendet er unnötig grausame Methoden an, aber er achtet darauf die Bevölkerung vor schlimmerem zu beschützen. Zum Beispiel vor Vergeltungsaktionen der in Apia sitzenden Regierung, die üblicherweise mit Waffengewalt gegen die Männer, Frauen und Kinder der Insel vorgeht, sobald ein Weißer durch einen Einheimischen zu Schaden kommt.

Ein dritter Charakter nimmt eine wichtige Rolle ein, nämlich ein Eingeborener namens Manuma. Er ist, im Gegensatz zu seinen Landsleuten, gebildet und weltgewandt, denn er lebte eine Zeit in der Hauptstadt Apia. Er ist möglicherweise, der einzige wirklich sympathische Charakter der Geschichte.

Die Handlung führt zu einem tragischen Ende, ausgelöst durch Mackintoshs Haß auf Walker und den Demütigungen, die Walker Manuma angedeihen lässt.

Erzählperspektive: Hauptsächlich 3. Person, mit gelegentlichem Schwenk zu einem allwissenden Erzähler.

Aufbau: Meiner Ansicht nach nutzte Maugham für „Mackintosh“ einen klaren Drei-Akt-Aufbau. Der erste Akt führt den Leser in den Handlungsort ein, stellt die handelnden Figuren vor, sowie Spannungen zwischen dem Iren Walker und dem Schotten Mackintosh. Der Hauptkonflikt wird gegen Ende des ersten Akts vorgestellt, als eine Gruppe Ureinwohner den Inselvorsteher aufsucht und versucht an dessen Gewissen zu appellieren.

Akt 2 widmet sich in Rückblenden der Vorgeschichte, deren langsame Eskalation zu dem Appell führte, schlägt einen Bogen zur hauptsächlichen Erzählzeit und endet mit einem vorhersehbaren Gewaltausbruch.

Akt 3 beginnt dagegen mit einer erstaunlich sanften und emotionalen Szene und leitet zu einem unerwarteten und wiederum gewaltsamen Ende über.

Mein Fazit:

Maugham macht es dem Leser nicht leicht. Die Meisten werden leicht Sympathien für Mackintosh entwickeln können, aber jedes Mal, wenn der Leser Abneigung gegenüber Walker empfindet, enthüllt der Autor Informationen zu diesem Charakter, die es schwer machen ihn einfach als den Bösen zu sehen. Manuma stellt er als durchweg sympathische Person da, aber schlußendlich sind es Manuma und Mackintosh, die sich schuldig machen.

Zentrale Themen dieser Geschichte sind, meiner Ansicht nach, hauptsächlich Respekt, beziehungsweise Respekt der nicht gegeben wird, Macht und Machtmißbrauch sowie der Mangel von Ein- und Weitsicht bei allen Charakteren. Sowohl Mackintosh, als auch Walker und Manuma sind aufgrund ihrer Gefühle und persönlichen Ziele blind für die Gefühle und Bedürfnisse der Anderen.-

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